Starrgabel oder Federgabel am MTB - alles was Du wissen musst. Alle Vorteile, alle Nachteile!

Deine alte Federgabel ist endgültig hinüber, weil Du keine Ersatzteile mehr bekommst? Oder fährst Du die meiste Zeit mit deiner Federgabel sowieso "locked"? Du fragst dich, ob Du nochmal 200 € (und mehr) für den Gabelservice ausgeben sollst? Oder bist Du vielleicht im Leichtbau-Lager unterwegs und suchst nach einer Möglichkeit richtig Gewicht zu machen?

 

Was auch immer dich bewegt, wenn Du über den Austausch einer Federgabel gegen eine Starrgabel, vielleicht sogar aus Carbon, nachdenkst, es gibt es ein paar Sachen zu bedenken. Der folgende Artikel soll dir anhand der neun wichtigsten Kriterien bei der Entscheidung helfen.

 

 

 

 

Der ultimative Vergleich: Federgabel oder Starrgabel am MTB, alle Vorteile, alle Nachteile in der Übersicht

 

#1 Leichtbau am MTB | Gewicht

 

Eins ist klar, eine Starrgabel wiegt deutlich weniger als eine typische Federgabel. Insbesondere dann, wenn sie aus Carbon ist. Zum Vergleich: eine RockShox Lyrik Ultimate Charger wiegt etwas über 2,3 kg, eine Standard 100 mm Federgabel wie die RockShox Judy Gold RL bringt rund 2 kg auf die Waage, und selbst eines der leichtesten XC-Topmodelle, die Fox Float 32 Factory mit 100 mm Federweg ist mit 1,4 kg im Vergleich zu einer Carbon-Starrgabel ein Schwergewicht. Die #rigidfork #noshox Boost MTB Gabel bringt nur dezente 560 Gramm auf die Waage. Kurz: es gibt kein Bauteil an deinem Bike, an dem du mehr Gewicht einsparen kannst, als beim Wechsel von der Federgabel auf eine Carbongabel. Eine Gewichtsreduzierung zwischen 800 - 1800 Gramm ist absolut realistisch. Das ist Leichtbau im großen Stil.

 

Punkt für die Carbon-Starrgabel | 1:0

 

 

#2 Ergonomie oder Energieeffizienz oder Vortrieb

 

Du kennst das Problem, spätestens, wenn du im Wiegetritt fährst oder in der Ebene auf dem großen Blatt richtig drückst, macht sich deine Federung bemerkbar. Die Gabel taucht ein wenig ein oder dein Bike schaukelt sich (etwas) auf. Das ist natürlich nicht immer gleich stark ausgeprägt, sondern abhängig von der Gabel, dem Fahrergewicht und weiteren Faktoren. Aber egal wie gut, wie teuer, wie leicht deine Federgabel ist - etwas Eintauchen und Aufschaukeln bleibt im System. Das ist zwar teilweise komfortabel, aber damit "schluckt" die Federgabel auch einen Teil der Energie, die eigentlich in Vortrieb also Geschwindigkeit umgesetzt werden sollte. Bei der Starrgabel entfällt dieser Effekt. Ein Mountainbike mit Starrgabel, egal ob Carbon oder nicht, hat bezüglich Vortrieb einen klaren Vorteil gegenüber einem MTB mit Federgabel.

 

Punkt für die Starrgabel | 2:0

 

 

#3 Wartungsarmut und Wartungskosten

 

Eine vernünftige Federgabel ist nicht nur in der Anschaffung eine teure Sache, sondern auch dauerhaft recht kostspielig. Alle 1-2 Jahre der kleine Gabelservice, alle 3-4 Jahr der große Gabelservice, natürlich abhängig von Kilometerleistung und Fahrweise, da kommen schon einige Euros zusammen. Ganz abgesehen davon, dass die Federgabel auch sonst gut gepflegt sein will. Eine Starrgabel ist dem gegenüber quasi wartungsfrei bzw. anspruchslos. Was auch nicht zu unterschätzen ist: eine Starrgabel ist ein einfaches Bauteil, sowohl den Einbau als auch das gelegentliche Fetten des Lagersitzes kannst du auch ohne Schrauber-Abitur selbst machen. Aber Hand auf's Herz, wer traut sich zu, den Gabelservice oder Ölwechsel selbst zu machen?

 

Punkt für die Carbongabel | 3:0

 

 

#4 Federung und Komfort

 

Klare Sache, eine Starrgabel federt nicht. Auch wenn man sich etwas Komfort über Reifenwahl und Reifendruck verschaffen kann, spätestens wenn das Terrain ruppig wird, dann ist eine gut getrimmte Federgabel in Sachen Federung und Komfort eindeutig im Vorteil. Punkt.

 

Punkt für die Federgabel | 3:1

 

 

#5 Fahrverhalten

 

Ein schwieriges Kriterium, weil der Vergleich meines Erachtens hinkt. Eine Starrgabel fährt sich anders, als eine Federgabel und hat ein anderes Fahrverhalten. Soviel ist klar, aber nicht jede Gabel der einen wie der anderen Gruppe hat das gleiche Fahrverhalten. Es gibt diverse Gabel-Eigenschaften, die das Fahrverhalten ebenfalls bestimmen. Die Federung ist definitiv ein wichtiges Kriterium, aber nicht das Einzige. Die Einbauhöhe der Gabel, der Vorlauf der Gabel, allgemein das Cockpit-Setup sowie die Rahmengeometrie sind weitere Eigenschaften, die maßgeblichen Einfluss auf das Fahrverhalten haben. Fazit: keine Wertung bzw. unentschieden.

 

Ein Punkt für beide | 4:2

 

 

#6 Optik

 

Das fällt unter die Rubrik Geschmacksache und darüber soll man ja nicht streiten. In der Anmutung clean, solide, puristisch, elegant, je nach Finish mit edler Lackierung oder Hightech Carbon-Optik auf der einen (Starrgabel-)Seite. Technisch ausgereift, komplex, metallisch, dynamisch, robust auf der anderen (Federgabel-)Seite. Jeder wie er mag, unentschieden.

 

Ein Punkt für beide | 5:3

 

 

#7 Einsatzzweck

 

Jetzt wird es Ernst. Alles hat seine Berechtigung und der Zweck heiligt bekanntlich ja die Mittel. Aus diesem Grund ist der Einsatzzweck für mich das herausragende Kriterium. Warum? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ob Du für einen bestimmten Zweck das optimale Bike-Setup inklusive Gabel fährst oder eben nicht, weil Du aus bestimmten Gründen Kompromisse eingehen musst. Ich beziehe mich hier auf meine Erfahrungen mit Ultra-Langstreckenrennen, bei denen das Bike-Setup eine große Rolle gespielt hat. Zuletzt habe ich meine Gravel-Gabel bei meiner Teilnahme am #RATNGX einem intensiven Praxistest unterzogen (und war sehr zufrieden, dazu vielleicht bald mehr in einem separaten Blog-Post). Bei einem anderen Rennen (Italy Divide) hatte ich mangels Streckenkenntnis das falsche Setup gewählt und musste aufgeben.

 

Die entscheidende Frage ist also: Was hast Du vor? Wie willst Du fahren, auf welchem Terrain, mit welchem Anspruch usw.? Je klarer deine Antwort auf diese Fragen zum Einsatzzweck ausfällt, desto klarer kann eine Entscheidung für eine Starrgabel oder Federgabel ausfallen. Ohne diese Klarheit bleiben eher allgemeingültige oder selbstverständliche Empfehlungen:

 

  • Du fährst Downhill, Bikepark, größere Drops, gerne hart am Anschlag, ohne Rücksicht auf das Material, dann spricht das für eine Federgabel.
  • Du fährst lieber Bergauf als Bergab, vielleicht sogar Uphill-Rennen oder Marathon, flowige Trails sind das Maximum, was du dir und deinem Material zumutest, Trainingsrunden über Feld- und Waldwege, die eventuell vorhandene Federgabel sowieso fast immer "gelocked"? Wenn Du dich in dieser Gruppe wiederfindest, dann schau Dich doch mal im Starrgabel-Shop um ;-)

 

Ein Punkt für beide | 6:4
 

 

#8 Individualität

 

Schau Dir die Bilder in der Starrgabel-Galerie an. Mit einer starren Carbon-Gabel hebst Du Dich definitiv von der Masse der Bikes ab. Auch wenn die MTB-Historie mit Starrgabeln (aus Stahl) begonnen hat, heute bist Du mit einer Carbongabel der Exot im Peloton und Fragen zu deiner Gabel sind keine Seltenheit. Aber diese Exponiertheit ist ja nicht unbedingt Jedermanns Sache, weshalb ich die Wertung unentschieden lasse (wenn Du mit deinem Bike gern im Rampenlicht stehst, dann kannst Du ja insgeheim die Wertung auf 8:4 ändern ;-).

 

Ein Punkt für beide | 7:5

 

 

#9 Preis

 

Ein wichtiges Kriterium! Eine einfache Starrgabel aus Stahl kannst du für weit unter 100 € kaufen und selbst mit der teuersten Carbon-Gabel inkl. Marken-Aufpreis landest du bei max. 700€. Das ist ungefähr da, wo die Preisspanne für  ordentliche Federgabeln anfängt. Schon klar, es gibt auch Sonderangebote und auch für 500 € bekommst Du eine halbwegs vernünftige Federgabel. Die ist dann aber schwer und eher Einstiegsniveau. Ganz zu schweigen von den Top-Modellen der bekannten Marken, bei denen Du locker die 2.000 € Grenze überschreitest. Der Punkt für das Kriterium Preis geht eindeutig an die ungefederte Variante.

 

Punkt für die ungefederte Gabel | Endstand 8:5

 

Federgabel tauschen, Starrgabel am MTB, der umassende Vergleich
Starrgabel vs. Federgabel, was gilt es zu beachten

Die Endabrechnung, was ist besser, gefedert oder ungefedert?

 

Die finale Wertung von 8:5 ist deutlich, die Starrgabel, erst recht eine aus Carbon von carbon-gabel.de ist klarer Sieger im Vergleich Starrgabel vs. Federgabel ;-)

 

Mit einem Augenzwinkern! Die Wertung ist natürlich nicht ganz Ernst gemeint. Wie oben schon geschrieben, das herausragende Kriterium ist dein beabsichtigter Einsatzzweck. Über den solltest Du dir klar werden. Und dann kann dir dieser Artikel hoffentlich bei der Entscheidungsfindung helfen.

 

War der Artikel hilfreich für Dich? Habe ich etwas vergessen oder bist Du in dem einen oder anderen Punkt anderer Meinung? Ich freue mich auf dein Feedback und/oder Kommentar.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Tassilo Ettinger (Donnerstag, 27 Juli 2023 10:53)

    Bin über 50 Jahre mit dem Rennrad gefahren, Stahlgabel! Einfach super. Möchte auf meinem e- Trekking Bike eine Stahl Gabel einbauen Danke für die Info. Gruß Tassilo

  • #2

    Ralph du Carrois (Freitag, 18 August 2023 13:30)

    Ich werde mir auf alle Fälle eine eurer Gabeln holen, das steht eh fest.
    Was ich mit der Idee die Gabel schnell wechseln zu können anfange weiß ich noch nicht.
    Zweite Bremse kaufen, klar, und der untere Lagerring müsste dann auch auf beiden Gabeln sein.

    Mein Ziel ist ein Rad mit zwei LRS und zwei Gabeln für die Tagestouren in die Berge und für die Mehrtagestouren mit Gepäck zu haben.

    Vielleicht könnt ihr mir da ja helfen, wenn ich Fragen haben sollte.

  • #3

    Tobi S. aus Dessau (Sonntag, 27 August 2023 19:16)

    Gut geschriebener Artikel.
    Ich fahre seit 10 Jahren Carbon Starrgabeln an MTBs und ich kann die Vorteile nur bestätigen ..... und ganz wichtig: Ich habe noch keine kaputt bekommen. Sie halten!

    Wer es noch nicht ausprobiert hat, dem kann ich dazu nur raten. Sicherheit, Spaß und ein Top Fahrgefühl inklusive.